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Die Struktur des römischen Vicus

Durch die Siedlung läuft eine Straße, von der drei Phasen untersucht werden konnten. Sie dürfte bereits in claudischer Zeit bestanden haben. Im Laufe der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. wurde das Straßenniveau erhöht und ist schließlich bis in das 3. Jh. n. Chr. nachvollziehbar.

Bei den Ausgrabungen konnten zwei größere Komplexe unterschieden werden. Die Gebäude im Süden zeigen einen für die Umgebung typischen Grundriß: mehrere Räume werden an drei Seiten von einem schmalen Umgang umschlossen, der mit einem vorgezogenem Dach überdeckt gewesen sein könnte. Auch in Gleisdorf konnte ein Gebäude aufgedeckt werden, das diesem Schema entspricht. Die Gebäude werden von einer mächtigen Mauer eingefaßt. Funde wie Keramik, Terra Sigillata, Bronze und Eisen verweisen auf die häusliche Funktion der Gebäude.

Ca 30 m nördlich des besprochenen Areals wurde - direkt an der Straße gelegen - ein weiterer Komplex aufgedeckt. Innerhalb eines langgezogenen Mauerecks wurden mehrere räumliche Einbauten sowie ein massiv vermörteltes Sockelfundament aufgedeckt. Es wurden kaum Objekte des häuslichen Gebrauches gefunden, wohl aber Münzen und Metallobjekte. Da dieser Komplex an der Stelle liegt, wo die Straße nach Osten hin zur Mur abzweigt und möglicherweise nach Norden zur Durchzugsstraße hinführt, könnte es sich um eine an einer Straßenkreuzung gelegenen mansio handeln.

Neben diesen größeren Komplexen wurden entlang der Straße mehrere Einzelbauten aufgedeckt. Darunter befindet sich auch ein Gebäude mit bemalten Wandverputzresten.

Der römische Vicus von Kalsdorf, von dem ca 4.000 m2 untersucht werden konnten, weist im Siedlungskern durchwegs urbane Formen mit parzellierten Wohngebäuden und öffentlichen Bereichen auf. Die Siedlung dürfte in engem Kontakt zu dem nur 25 km entfernten Flavia Solva gestanden haben.

Die Aufarbeitung des Grabungsbefundes (Mag. U. Lohner) erfolgt am Institut für klassische Archäologie der Universität Graz. Es wird versucht neben regionalen Eigenheiten (Hausgrundrisse, Siedlungsstruktur) auch auf die wirtschaftliche Situation kleinerer nichtstädtischer Siedlungen am Rande einer römischen Provinz einzugehen.

Einen weiteren Forschungspunkt bildet die Aufarbeitung des römischen Glases (Mag. G. Glöckner): Im römischen Vicus von Gleisdorf wurde ein Glasschmelzofen aufgedeckt, der eine eigene Produktion bezeugt. Mit der Untersuchung des Glases von Gleisdorf, Kalsdorf und Flavia Solva sollen regionale Unterschiede wie auch Importströmungen herausgearbeitet werden. Parallel dazu laufen chemische Untersuchungen (O. Schwinger, Inst. f. analyt. Chemie, Karl-Franzens-Universität Graz): mit der Analyse einzelner Glasproben wird versucht, die Frage der Herkunft und der Produktion näher zu bestimmen.

Leitung

Univ.-Prof. Dr.habil.

Wolfgang Spickermann

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