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Burg Ras

Burgstall „Die Turne“ – Gradišče na Turnah

Grabung und Aufarbeitung

Universitätsinternes Projekt

Leitung: Manfred LEHNER

Zwischen 2009 und 2015 hatte das Institut für Antike der Universität Graz sechsmal die Möglichkeit zu mittelalterarchäologischen Forschungsgrabungen im 1171 erstmals urkundlich erwähnten castrum Rase, das zwischen Drautal und Karawanken in der Gemeinde St. Jakob im Rosental (VL, Kärnten) liegt. Die nur als Geländedenkmal, nicht als Ruine erhaltene Altburgstelle sitzt in 610 – 638 m Seehöhe auf dem höchsten Plateau des schmalen, beim Bau des Karawanken-Eisenbahntunnels bis 1906 als Steinbruch genutzten Kalkstocks zwischen dem Dorf Schlatten/Svatne und dem Ounitza/Vounicabach westlich von St. Jakob. Wenige unsignifikante Keramikfragmente bezeugen eine prähistorische, wohl kupferzeitliche Nutzung des Burgberges.

Die mittelalterliche Gesamtanlage besteht aus einer westlichen Vorburg, einer mächtigen, zweiteiligen Wall-Graben-Anlage, der von einer Ringmauer umgebenen Kernburg mit einer Innenfläche von 2650 m² und einer dreieckigen Berme über einer schmalen Sattelsituation im Osten. Die Kernburg hat zwei mächtige Türme, im Osten einen freistehenden Wohnturm (Bergfried?), der auf einer eigens präparierten, über dem Burghof leicht erhöhten Felskuppe (633 m. ü. M.) steht, und im Westen einen noch nicht freigelegten „Torturm“ unmittelbar hinter dem Halsgraben. Das Palasgebäude an der Nordseite ist in die Ringmauer integriert. An der Südseite, dem Palas gegenüber, zeigt der Bering eine wenig wehrhaft wirkende, wahrscheinlich sekundäre Torsituation.

Die Burgstelle steht seit 1999 aus Eigeninitiative des Grundbesitzers Franc Mikel unter Denkmalschutz; bis 2006 fanden unter seiner Ägide behutsame Rodungs-, Freilegungs- und Restaurierungsarbeiten statt, die Teile der Ringmauer, den Bergfried-Wohnturm und den Palas unter riesigen bewaldeten Versturzhügeln zutage brachten. Mithilfe von Subventionen des Bundesdenkmalamtes wird die Burgstelle seit Juli 2009 vom Grazer Institut archäologisch betreut, wobei bisher hauptsächlich die unter Beratung slowenischer Archäologen (Denkmalamt Kranj) bereits freigelegten oder angegrabenen Bereiche weiteruntersucht bzw. nachdokumentiert werden konnten.

Für die einheimischen Kärntner Slowenen ist die Burg Ras ein wichtiger Identifikationsort, spielt sie doch als Zufluchtsort der bäuerlichen Bevölkerung eine entscheidende Rolle in der 1884 von Jakob Sket niedergeschriebenen Sage um die schöne Miklava Zala, Tochter des Bauern Mikel (bis heute der Schreib- und Hofname des Grundbesitzers), die 1476 von den Türken entführt worden und sieben Jahre später triumphal zurückgekehrt sei.

Die Burg müsste eigentlich von dem verheerenden Erdbeben im Jänner 1348, dessen Epizentrum im nahen Friaul lag und das den Bergsturz des Dobratsch ins ebenso nahe untere Gailtal verursacht hatte, massiv betroffen gewesen sein. Eindeutige Zerstörungsspuren waren bisher jedoch archäologisch nicht nachzuweisen. Hingegen widersprechen die bisherigen Grabungsergebnisse in einigen Belangen sowohl der bisherigen historischen Sichtweise der Burg, wonach sie spätestens im frühen 14. Jh. mit dem Aussterben der Herren von Ras aufgegeben worden sein soll, als auch den Ergebnissen der bauhistorischen Untersuchung 2007, die von einer holzgebauten Vorgängeranlage ausgeht, die erst im 13. Jh. von einer einheitlichen Steinburg ersetzt worden sei: So liegt für die Akkumulation der späteren der beiden Nutzungsschichten im Untergeschoß des Bergfried-Wohnturms (Grabungen 2009 und 2010) durch den Fund eines aquileiensischen Denars (Patriarchat des Nikolaus von Böhmen) ein terminus post quem von 1350 vor. Das keramische Fundmaterial aus derselben Schicht lässt sich zumindest bis um 1400 datieren.

Stratigraphisch unter der nördlichen Ringmauer des 13. Jhs. ließ sich eine massive Mörtelgrusschicht nachweisen, die belegt, dass bereits die hochmittelalterliche Burg einen steinernen Bering hatte (siehe Abbildung im Bericht von 2013).

Unmittelbaren Einblick in das tägliche Leben auf der Burg gewährte die Freilegung eines großen, nachträglich in die windgeschützte Mauerecke zwischen Palas und Bering gebauten Backofens (Grabung 2012 und 2013).

Schwach aber doch, eher im Bereich des Palasgebäudes (Grabung 2015) als des Wohnturmes, zeichnen sich im Befund und in den Funden menschliche Aktivitäten bald nach dem Einsetzen des Verfalls ab (15./16. Jh.), die durchaus in Zusammenhang mit einer vor den marodierenden Türken sich verbergenden Umlandbevölkerung zu sehen sein können. Ab 1578 wird die Burg in den schriftlichen Quellen mehrmals als „öd“ bezeichnet; auch Paolo Santonino hatte sie in seinem Bereisungsprotokoll (1485/87) im Gegensatz zum ausführlich beschriebenen Rosegg nicht mehr erwähnt.

Nach dem jähen Tod von Franc Mikel im September 2015 waren weitere Grabungen auf der Burg nicht mehr organisierbar. Nicht nur das Betreten der Fundstelle, sondern auch der Zugang zum am Mikelhof gelagerten Fundmaterial ist in der derzeitigen Besitzkonstellation erschwert. Seit 2018 können jedoch Funde und Befunde aus dem Bergfried/Wohnturm von Anna Fercher im Rahmen einer Masterarbeit bearbeitet werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Vorlage des sehr charakteristischen Fundmaterials, was vor allem den Wissenstand zur bisher ungenügend erforschten Kärntner Mittelalterkeramik entscheidend bereichern wird. Nach Maßgabe der Mittel sollen im Anschluss alle Grabungsergebnisse monografisch vorgelegt werden.

Kontakt

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr.phil.

Manfred Lehner

Telefon:+43 (0)316 380 - 8124

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