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Lebensgefühl und Lebenswirklichkeit im 2. Jahrhundert n. Chr.

Universitätsinternes Projekt

Projektleitung: Robert POROD

Im beginnenden  2. Jahrhundert n. Chr. erreicht das Imperium Romanum nicht nur seine größte territoriale Ausdehnung, sondern erlebt auch auf innenpolitischer Ebene den unangefochtenen und von den Zeitgenossen vollkommen akzeptierten Absolutismus der Adoptivkaiser von Trajan bis Marc Aurel. Das 2. Jahrhundert erscheint in der  der Literatur und Bildenden Kunst als Höhepunkt, bringt aber nach einer langen Phase bürgerlichen Wohlbehagens in persönlicher Sicherheit und materiellem Wohlstand weiter Kreise plötzliche und völlig unerwartete Umwälzungen mit sich. Zuerst führte der verlorene Partherkrieg am Ende der Regierungszeit Trajans zur Doktrin der einzementierten Grenzen durch seinen Nachfolger Hadrian und damit langfristig und eher unbemerkt  zu einer nachhaltigen Umstellung des Wirtschaftslebens, da der bisher mit Eroberungen verbundene Impakt mit Kriegsbeute und versklavten Kriegsgefangenen ausfiel. Mit der unter Marc Aurel nach einem noch erfolgreichen Partherkrieg ins Reich eingeschleppten sog. „Antoninischen Pest“, der in manchen Provinzen fast die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer fiel, und dem anscheinend völlig überraschenden Einfall germanischer Stämme im oberen Donauraum  bis nach Oberitalien enden um 170 n. Chr. die von vielen Bewohnern angenommene „dauerhafte Glückseligkeit“, aber auch das blinde Vertrauen in die Stärke Roms und seiner Kaiser; gleichzeitig beginnt der Abstieg des  Bildungsbürgertums.

Mit der Hinwendung an das klassisch-griechische Kulturideal  sieht das 2. Jahrhundert auch im religiösen Bereich große Umwälzungen mit der Hinwendung an neue, meist aus dem Orient stammende Erlösungsreligionen und dem immer stärkeren Aufkommen von Körperbestattungen statt der traditionellen Leichenverbrennung .

Die seit Hadrian an den Grenzen garnisonierten und lokal ergänzten Armeekörper wurden im Laufe des 2. Jahrhunderts nicht nur zu einer ökonomischen Belastung, sondern zunehmend von einem ursprünglichen Romanisierungsfaktor zu einem Gefahrenherd für die Reichseinheit und Stabilität, wie sich am Ende des Jahrhunderts mit Usurpationen und einem – noch vorübergehenden – Sonderreich im Westen rasch zeigen sollte.

Im zweiten Jahrhundert n. Chr. erreichen die griechischsprachige Literatur und das Kunstschaffen hinsichtlich ihres Umfangs und ihrer Qualität einen neuen Höhepunkt. Waren die Klassische Philologie und Archäologie noch bis in die 1980er Jahre geneigt, die Literatur und die Bildende Kunst dieser Zeit gegenüber den Klassikern des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. als unoriginell und minderwertig abzuqualifizieren, so hat die Forschung der letzten Jahrzehnte beträchtlichen Zuwachs an Einsichten in das spezifische Wesen klassizistischer literarischer Produktion erbracht. Ermöglicht wurde der Fortschritt dadurch, dass man damit begann, die bis dahin standardisierte, rein ästhetische Betrachtungsweise zugunsten umfassenderer Deutungen des Phänomens Klassizismus vermittels eines ganzen Bündels historischer, politischer, soziologischer, archäologischer, epigraphischer, literarhistorischer und literartheoretischer Perspektiven abzulegen. Im Zuge dieser vermehrten Zugänge wurde erkannt, dass die sogenannte Zweite Sophistik eine unverzichtbare Quelle für ein adäquates Verständnis der gesamten Kultur dieses Zeitraums darstellt.

Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit soll zu einem vernetzteren Verständnis der Wechselwirkungen von Politik und Gesellschaft zum einen und Literatur und Kunst zum anderen zu gelangen um damit auch den im 2. Jahrhundert stattfindenden Wertewandel zu beleuchten, der diese Zeit zur Wiege der Spätantike werden ließ. Der Literatur sowie den Baudenkmälern und Kunstwerken soll durch das Aufspüren der jeweils intendierten intertextuellen Kontexte ihre Bedeutung zurückgegeben werden, die sie ja für die Zeitgenossen der Autoren hatte.

Kontakt

Ass.-Prof. Mag. Dr.phil.

Robert Porod

Institut für Antike

Telefon:+43 (0)316 380 - 8248

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