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Antike Versfabeln

Universitätsinternes Projekt

Leitung: Ursula GÄRTNER

Den Sammlungen antiker Versfabeln wurde in der Forschung bisher eher wenig Interesse entgegengebracht. Phaedrus wurde und wird zumindest noch in der Schule gelesen; Avian oder Babrios hingegen sind zu Unrecht vernachlässigt. Freilich gab es immer Arbeiten zu diesen Fabeln, allerdings ging es dabei zum einen häufig eher um Fragen der Motivgeschichte; die Fabeln wurden daher weniger um ihrer selbst willen untersucht, sondern als eine Art Steinbruch betrachtet. Zum anderen las man vor allem die Phaedrusfabeln recht einseitig unter einem sozialgeschichtlichen Aspekt; man meinte, hier durch den `Freigelassenen des Augustus´ die Stimme des `kleinen Mannes´ zu hören, der pessimistisch angesichts der Macht der Herrschenden die Anpassung predigte. Ferner wurde hierzu in der Regel ein biographischer Deutungsansatz verfolgt, der die Gedichte aus der vermeintlichen Lebenserfahrung ableitete. Dabei wurde indessen zu wenig berücksichtigt, dass diese `Lebensdaten´ mehr oder weniger gänzlich aus den Fabeln erschlossen wurden; viele dieser Elemente geben sich zudem als poetologische Topoi zu erkennen, sodass sich das Ich eher zu tarnen als zu offenbaren scheint. Schließlich fand das intendierte (Lese-)Publikum zu wenig Betrachtung, denn der Dichter verlangt nicht nur selbst Belesenheit, vielmehr erschließt sich die Vielschichtigkeit der zunächst so simpel erscheinenden Gedichte erst bei Betrachtung der zahlreichen intertextuellen Bezüge. Seltener sah man die Texte als literarische Kleinode an und nahm sie unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten ernst, wie sie etwa für die Betrachtung eines Catull-, Horaz-, Properz- oder Ovidgedichts völlig selbstverständlich sind. Lässt man sich aber auf diese Weise auf die Fabeln ein, lernt man Texte kennen, die sich spielerisch, witzig und eigenwillig in die literarische Tradition und den Diskurs ihrer Zeit einreihen und so selbstreflektiert auch zu Fabeln über die Dichtung werden. Ähnliches ließe sich zu Avian und Babrios feststellen, die allerdings noch seltener eingehend untersucht wurden.

Welche Stellung die Gedichte in ihrem literarischen Diskurs einnehmen, wird in diesem Projekt gezeigt. Im Projekt sollen sämtliche Sammlungen von Versfabeln der Antike durch Interpretationskommentare erschlossen werden. Für die Phaedrusfabeln liegt zum ersten Band bereits ein Interpretationskommentar vor; zu Buch II und III ist er in Drucklegung. Zu Babrios ist eine Dissertation in Arbeit (L. Spielhofer: Babrios' Mythiamboi. Ein Interpretationskommentar), zu Avian eine entsprechende Arbeit in Vorbereitung.

Das Projekt steht in enger Verbindung mit dem “Grazer Repositorium antiker Fabeln (GRaF)”

Kontakt

Univ.-Prof. Dr.phil.

Ursula Gärtner

Institut für Antike

Telefon:+43 (0)316 380 - 2432

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