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Side - Tychetempel

Leitung: Gabriele KOINER –  Alexandra PUHM

Das Projektvorhaben

Das Projekt der Universität Graz dient der Aufnahme, Bearbeitung und Datierung der Bauornamentik des Tyche-Tempels in Side (Abb. 1). In Zusammenarbeit mit Hüseyin Alanyalı und Feriştah Soykal-Alanyalı entsteht eine Gesamtvorlage der Architektur, Bauornamentik, Plastik des Tempels und des Kults. Die Aufnahmen wurden in den Jahren 2013–2015 durchgeführt (Abb. 2–3).

Die Bauornamentik des Tempels

Der Tempel korinthischer Ordnung besaß folgende ornamentierte Teile:

In der äußeren Ordnung korinthische Normalkapitelle (Abb. 4), einen Architrav mit Rankenfries (Abb. 5) und vegetabil verzierten Soffiten, Zahnschnitt, Geison und Sima mit Palmettenfries und Löwenkopfwasserspeiern.

An der äußeren Cellawand einen Türsturz, korinthische Pilasterkapitelle und einen Girlanden-Eroten-Fries mit Köpfen verschiedener Götter (Abb. 6). Die Kassetten des Umgangs sind überdies ornamental und figürlich geschmückt. An der Innenseite der Cellawand ist über der obersten Quaderlage ein Mäanderfries angebracht. Perlstäbe, Eierstäbe und verschiedene Blattkymatia schmücken die Randzonen der einzelnen Teile.

Die Lage des Tempels

Der Rundtempel der Tyche steht auf der von Säulenhallen eingefassten Agora von Side, die sich unmittelbar anschließend nördlich des Bühnenbaus des Theaters befindet. Der Tempel liegt nicht in der Mitte der Agora, sondern ist von der Süd-Portikus 14,7 m, von der West-Portikus 22,3 m entfernt, in der Mitte der Agora konnte Arif Müfid Mansel in einer Sondage keine Reste eines Baus nachweisen, daher nahm er an, dass der Tyche-Tempel einen Vorgängerbau hatte, dessen Platz man nicht verlegen wollte (Mansel 1956, 31–37).

Die Form des Tempels

Der Tempel hat die Form einer Tholos auf einem Podium mit einer neunstufigen Treppe auf der WSW-Seite. Die korinthische Ordnung ist in pseudodipteraler Anordnung mit 12 Säulen und 10 Pilastern ausgeführt. Das Dach war in Form einer zwölfseitigen Pyramide gestaltet.

Sidetische Münzen zeigen ab dem 1. Jh. die sitzende Tyche (Domitian, Commodus), auf Prägungen aus dem 2. Jh. auch die stehende Tyche (Antoninus Pius, Caracalla). Auf Münzen der Salonina und des Gallienus wird die sitzende Tyche mit dem Flussgott Melas im Inneren eines Tempels mit einem pyramidalen Dach und vielleicht auch der Kuppel dargestellt (Mansel 1956, Abb. 47–48).

Forschungsgeschichte und Anastylose des Tempels

Die Überreste des Tempels wurden bereits 1811 von Francis Beaufort beschrieben (Beaufort 1817). Petersen sah als Mitglied der Expedition Lanckoronski die Tempelruine (Lanckoronski 1890, 124) und schlug aufgrund der dort gefundenen Tierkreiszeichen-Reliefs vor, den Bau als Horologium zu interpretieren.

Zu einer umfassenden Untersuchung des Baus kam es in den 1940er und 1950er Jahren durch Arif Müfid Mansel, der am Tempel Grabungen und eine Dokumentation der Architektur durchführte, die in einer Rekonstruktion des Gebäudes mit einem zwölfseitigen Pyramidendach mündeten (Mansel 1963, 106 f. Abb. 80).

Der Tempel wurde im Jahr 2010 von Feriştah Soykal-Alanyalı in einer Sondage untersucht und bis 2013 unter Verwendung von originalen Baublöcken zum Teil wieder errichtet. Bei der Untersuchung des Tempels wurde ein Teil der ornamentierten Blöcke rund um den Tempel, mit einer Konzentration an der Nord- und Westseite, liegend aufgefunden. Für die Anastylose wurden von der Grabungsleitung die Fragmente nummeriert und inventarisiert und die nicht verwendeten Teile östlich des Tempels, wenige Blöcke am Tempel selbst aufgestellt.

Mehrere Blöcke der Cellawand wurden 2013 in der Philippus Attius Mauer entdeckt und aufgenommen. Sechs Blöcke der Cellawand konnten 2014 östlich der Philippus Attius Mauer ausfindig gemacht und dokumentiert werden. Die drei Mauer-, zwei Pilasterblöcke und das Pilasterkapitell waren in die Mauer verbaut gewesen und lagen bei der Aufnahme am Mauerfuß (Koiner – Puhm 2015).

Die bislang nur aus der Bauornamentik zu erschließende Datierung des Baus wird in der Literatur mit hadrianisch (Mansel; Wegner 1989, 161; Vandeput 1997, 38) bzw. späthadrianisch (Strocka 1996, 469 Abb. 38) angegeben, eine Datierung, die die bisherigen Projektarbeiten bestätigen konnten. Chronologisch aussagekräftig sind die Kapitelle, die Friese und die Anlage und Achskorrespondenz der verschiedenen Kymatia, die Parallelen in hadrianischen Bauten finden.

Das am Bau auf der freistehenden Säule angebrachte Kapitell gehörte ursprünglich wohl nicht zum Bestand, sondern ist zeitlich später anzusetzen und wurde wohl aufgrund seines guten Erhaltungszustandes für die Anastylose verwendet. Es könnte sich um ein Kapitell der Nordhalle der Agora handeln (Mansel 1956, Abb. 7).

Die Besonderheiten des Baus

Architrave und Friese sind in einem Stück gearbeitet, insgesamt liegen auf den 12 Säulen ebenso viele Fries-Architravblöcke auf. Ebenso sind die Geisa gemeinsam mit dem Zahnschnitt, der Sima, den Kassetten und dem Mäanderfries der Cella-Innenwand aus einem Block geschnitten und überspannen somit in 12 Segmenten die Peristase.

Über dem Zentrum der Cella gab es eine Kuppel mit einem Durchmesser von 1,20 m, die mit Tierkreiszeichen geschmückt war. Sah Beaufort 1811 (Beaufort 1817, 155 f.) noch vier von fünf Sektoren mit Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, „Schwan“, Figur eines nackten Mannes („Antinoos?“), „Lyra(?)“, umgeben von einem Ring, dessen Soffitten mit Sternen geschmückt waren, und Petersen (in Lanckoronski 1890, 124) drei von vier Vierteln mit Fischen, Widder, Stier, auf einem weiteren Relief Zwillinge, Krebs, Löwen sowie Steinbock und Wassermann, fand Mansel nur mehr zwei Teile, von denen er nur einen abbildete (Mansel – Bean – Inan 1956 Taf. 12 Abb. 46). Alle Teile sind derzeit verschollen (Koiner – Puhm, im Druck).

Die Inschrift des Moukianos

Auf der Treppe des Tempels wurde in Sturzlage die von der Stadt Side gesetzte Ehreninschrift für den Konsul Moukianos gefunden (Mansel – Inan – Bosch 1947, 71 f.: Loukianos; Nollé, mündliche Mitteilung, liest Moukianos).

Literatur

F. Beaufort, Karamania: or, A brief description of the south coast of Asia-Minor and of the remains of antiquity. With plans, views, &c. collected during a survey of that coast, under the orders of the Lords commissioners of the Admiralty, in the years 1811-1812 (London 1817)

G. Koiner – A. Puhm, 3.1 Work on the Architectural Sculpture of Tyche Temple, in: H. S. Alanyalı, Excavations and Research at Side in 2014, ANMED 13, 2015, 124

G. Koiner – A. Puhm, Die Aufnahme der Bauornamentik am Tyche-Tempel und die Suche nach seiner Kuppel in Side 2015, im Druck

K. Lanckoronski, Städte Pamphyliens und Pisidiens 1. Pamphylien (Wien 1890)

A. M. Mansel – E. Bosch – Jale Inan,  Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Side im Jahre 1947 (Ankara 1951)

A. M. Mansel – G. E. Bean – J. Inan, Die Agora von Side und die benachbarten Bauten (Ankara 1956)

A. M. Mansel, Die Ruinen von Side (Berlin 1963)

J. Nollé, Side. Zur Geschichte einer kleinasiatischen Stadt in der römischen Kaiserzeit im Spiegel ihrer Münzen, Antike Welt 21, 1990, 244–265

V. M. Strocka, Datierungskriterien kleinasiatischer Girlandensarkophage, AA 1996, 455–473

L. Vandeput, The architectural decoration in Roman Asia Minor. Sagalassos. A case study  (Turnhout 1997)

M. Wegner, Bauschmuck von Side, in: N.Başgelen – M. Lugal (Hrsg.), Festschrift für Jale İnan/Jale İnan Amarğani (Istanbul 1989) 161–167

Kontakt

Vass. Mag. Dr.phil.

Gabriele Koiner

Institut für Antike

Telefon:+43 (0)316 380 - 8120

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